Essen und Ernährung, das sind Dinge, die mir wichtig sind. Aber ich hab keine Lust, mir permanent darüber den Kopf zu zerbrechen, wie ich mich ernähren soll. Wenn es um Ernährung geht, spielen für mich zwei Faktoren die ausschlaggebende Rolle: es soll einfach sein und es soll Spaß machen.

Auf dem Weg zu einer guten Ernährung

Dennoch, die Welt, in der wir leben, macht eine gute Ernährung ohne darüber nur einen Gedanken zu verlieren nicht gerade einfach. Das Sortiment an Nahrungsmitteln ist durch die Globalisierung extrem gewachsen; immer und überall muss alles en masse verfügbar sein: Südfrüchte im Winter, Meeresfrüchte im Inland, zehn Sorten Weißwein auf einem Atoll. Hinzu kommen die unzähligen Zusatzstoffe, die von der Fast-Food-Industrie und anderen industriellen Wissenschaften eingeführt wurden.

Für mich ist es unmöglich, mir KEINE Gedanken über das, was ich esse, zu machen. Ist das wirklich frisch? Ist es wirklich notwendig, dass da Farbstoffe drin sind? Was zur Hölle ist Guanylatsäure?

Der Preis, den man für bequeme Gedankenlosigkeit womöglich zahlt, ist mir zu hoch. Dann nehme ich mir lieber mehr Zeit fürs Einkaufen und Kochen, und gebe mehr Geld für Nahrungsmittel aus, bei denen ich weiß, was ich esse.

Aber Zeit ist eben so ein Problem. Leute in meinem Alter, die irgendwo zwischen der Beendigung ihrer Ausbildung, der Jobsuche und der Bewältigung von 2 Nebenjobs umhertaumeln, haben leider immer weniger Zeit. Die Stunden rinnen uns nur so durch die Finger ab der Minute, in der wir morgens aufstehen. Wir versuchen, so viel in einen Tag reinzustopfen: Arbeiten, Bad putzen, Sport, Mama anrufen, einkaufen, für eine Prüfung lernen, Wäsche waschen. Und manchmal geht es nicht anders, wir müssen Prioritäten setzen. Da ist es verlockend, auf dem Nachhauseweg einfach irgendwas fastfood-mäßiges mitzunehmen. Oder TK-Pizza zu kredenzen. Und: man kommt bestimmt nicht in die Hölle, wenn man das tut! Wir sind uns sicher einig: Manchmal geht es einfach nicht anders.

Aber darum geht es nicht! Es geht nicht um die Ausnahmen, sondern darum, wie es in der Regel läuft und laufen sollte.

Ich habe schon mal gesagt, dass ich kein Nischen-Esser bin.

Low Carb, Paleo, Dukan, Vegan, das funktioniert super für viele Menschen. Und für mich funktioniert es eben einfach nicht. Für mich ist eins klar: Manche Sachen sind einfach zu lecker für „Ich esse keine Kohlenhydrate/ Ich trinke keinen Kaffee / Ich verzichte zu 100% auf Zucker.“ Aber: ich will auch nichts essen, was mich -körperlich oder mental- krank macht.

Daher versuche ich, mir mehr Zeit für Essen zu nehmen. Ich will natürlich nicht, dass Essen und die Beschäftigung damit mein Leben beherrschen. Ich finde nur, dass ich meiner Ernährung nicht weniger Zeit widmen sollte, als anderen, nicht so wichtigen Dingen.

Die Hauptaspekte, die bei einer guten Ernährung für mich eine Rolle spielen, umfassen folgende Bereiche:

  • Woher kommt mein Essen? Unter welchen Umständen wurde es hergestellt/angebaut?
  • Enthält es Zusatzstoffe? Und wenn ja, warum?
  • Sind die Nährwerte tatsächlich „wert“voll? Macht mich das Essen wirklich satt, oder explodieren gerade nur ein paar Synapsen in meinem Gehirn?

Vor kurzem habe ich ein echt großartiges Buch geschenkt bekommen. „Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte von Michael Pollan. Dieses Buch präsentiert dem Leser auf 200 Seiten ganze 83 wirklich gute Ernährungstipps, jeder Tipp mit einem kleinen Begleittext und einer witzigen Illustration erklärt.

Ernährung Auge ausstechen

Noch fast mit Haftnotizen ein Auge ausgestochen 😀

Dieses Buch spannt meiner Meinung wunderbar den Bogen zwischen überlegter Ernährung und dem Genießen von Essen.

Pollan schreibt sehr witzig und einleuchtend, worauf wir uns zu besinnen vergessen haben: eine gute Ernährung erfordert eigentlich nur, dass wir unseren gesunden Menschenverstand benutzen.

Meine Pollan-Lieblingstipps für eine gute Ernährung

Tipp 5 : Meiden Sie Nahrungsmittel, bei denen irgendeine Form von Zucker (oder Süßstoff) als eine der drei wichtigsten Zutaten genannt wird.

Tipp 9 : Meiden Sie Produkte, die sich „light“, „fettarm“ oder „fettfrei“ nennen.

Diesen Tipp illustriert er sehr schon mit dem Beispiel der amerikanischen Anti-Fett-Kampagne der 70er Jahre, die zum Ergebnis hatte, dass der durchschnittliche Amerikaner nach der Kampagne fast neun Kilo schwerer war als vorher. 😀

Tipp 11 : Meiden Sie Nahrungsmittel, für die im Fernsehen geworben wird.

Tipp 16 : Kaufen Sie Ihre Lebensmittel jede Woche frisch ein.

Der Sinn ist klar: mit frischen Lebensmitteln, die schnell verderben, kochen wir höchstwahrscheinlich ein gesünderes Essen, als mit Konserven. Ich gehe sogar öfter als einmal die Woche einkaufen, meistens zwei bis drei Mal. Jedes Mal aber nur wenig. Hamsterkäufe habe ich mir ganz abgewöhnt; der erste Schritt war, keinen Einkaufswagen mehr zu holen, sondern nur noch das einzukaufen, was ich tragen kann oder maximal ein Körbchen.

Tipp 22  : Was durch das Fenster Ihres Autos zu Ihnen gelangt, ist kein Lebensmittel.

 Tipp 23 : Was in allen Sprachen denselben Namen hat, ist kein Lebensmittel. (Denken Sie an Big Mac, Mars oder Pringles)

Brillant! 😀 An dieser Stelle verweise ich jedoch auf Tipp 83. 😀

Tipp 39 : Essen Sie kein Müsli, das die Farbe der Milch verändert.

Tipp 53 : Zahlen Sie mehr, essen Sie weniger.

Tipp 56 : Essen Sie, wenn Sie Hunger haben, nicht, wenn Sie sich langweilen.

Äh, hehehehe 😀 Ich arbeite dran.

Tipp 67 : Kaufen Sie kleinere Teller und Gläser.

Ein super Tipp, wie ich finde, den ich auf jeden Fall in der Praxis testen werde. Das mache ich nämlich momentan noch genau gegenteilig. Was der Zusatz mit den Gläsern soll, weiß ich nicht genau, ich vermute, er bezieht sich hier auf Gläser, die Alkohol enthalten. 😀 Also kein Tipp kontra Wasserchallenge!

Ernährung Teller

Mit Tellern dieser Größe kann ich leben. Muss dann eben 25 davon essen 😀

Tipp 82 : Kochen Sie.

Tipp 83 : Brechen Sie ab und zu die Regeln.

Wunderbar. Mit diesem letzten Tipp hatte Pollan mich endgültig auf seiner Seite. Er zitiert im zugehörigen Artikel Oscar Wilde: „Alles in Maßen, auch die Mäßigung.“

Das ist wirklich das beste und wertvollste Buch über Ernährung, das ich jemals gelesen habe. Es macht Spaß darin zu lesen, und ich denke auf jeder Seite mindestens einmal „ahja, stimmt eigentlich! Bin ich so hohl!“.
Wer sich dafür interessiert, oder vielleicht ein schönes Geschenk für einen lieben Menschen sucht:

Michel Pollans „Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte“ bei Amazon*

Das Buch spricht meinen Wunsch von oben an, dass eine gute Ernährung einfach sein und Spaß machen soll. Dieses Vorhaben umfasst viele Aspekte, von der Wahl des (Super-)Marktes bis hin zu den Produkten selbst, und was wir daraus machen.

Gute Ernährung ist für mich ein Lernprozess, in dem ich noch mitten drin stecke. Und eine sehr hohe Priorität dabei hat für mich, dass ich mich nicht kasteie. In meinem Kühlschrank liegt eine Tafel Schokolade, im Gefrierfach befindet sich Eis. Und ich finde nicht, dass ich das verheimlichen oder mich dafür schämen sollte. (ok, achtung, jetzt löschen mich alle Gesundheitsmenschen 😀 )

Man sollte sich auf dem eigenen Weg zu einer gesunden Ernährung nicht entmutigen lassen von irgendwelchen Blogs oder Instagram-Seiten, auf denen Leute nur Fotos von Fitness-Sessions (#getfitordietrying #livingforthegym) Rohkostplatten (#sooodelicious #foodporn) und an schlechten Tagen von Rohkostplatten mit fettarmem Jogurtdip (#cheatmeal #feelingfat). Im Internet sehen wir nur, was die Menschen uns sehen lassen wollen. Davon sollten wir uns nicht das Gefühl geben lassen, wir sollten uns für den Verzehr eines Schokoriegels kurz in den Kleiderschrank setzen, damit uns keiner sieht. Ich habe schon oft verbittert vorm PC gesessen, eine Packung Puffreis in Greifweite, und dachte mir „ja klar, als ob dich das Stück Rettich jetzt total satt und glücklich macht!“ und hatte gleichzeitig ein schlechtes Gewissen.

Das mach ich jetzt nicht mehr (also das verbitterte Kommentieren, nicht das Puffreis-essen 😀 ). Ich versuche, mir meine eigenen heutigen Worte wirklich zu Herzen zu nehmen. Ich werde in Zukunft also öfter darüber schreiben, welche Tipps und Tricks bei mir funktionieren, um diese Idee in die Tat umzusetzen! 

Ernährung buch

Wir sind auch nur Menschen, und wenn wir ein bisschen was für eine gute Ernährung tun, dann steht uns auch mal ein Stück Puffreis zu. Das ist, finde ich, ein super Schlusswort. 😀

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