Wer von euch hat Ulysses von James Joyce gelesen? Ich nicht. Ich würde aber gerne, und zwar seit meine Freundin Sophie sich vor Jahren im Studium einmal entsetzlich blamiert hat, als sie in einem Seminar eine Passage daraus vorlesen sollte.
Ulysses ist bekannt dafür, dass es durchgehend im Bewusstseinsstrom geschrieben ist. Das heißt, es entspricht verschriftlichten Gedanken. Einfach niedergeschrieben. Ohne Konzept, ohne erkennbar konzipiertes Thema, sogar ohne vernünftige Interpunktion.
Und das war die Passage, die Sophie vor 35 Leuten vortragen sollte:

nur ein bißchen Platz daß man mal in Ruhe einen fahren lassen kann lieber Gott oder sonst was will sie lieber anhalten so ein bißchen auf die Seite piano ganz leise sweeee der Zug ist ganz weit fort pianissimo sweeee noch einen song das war eine Erlösung wo fass dich kurz laß einen furz wer weiß vielleicht war das Schweinekotelette zu dem ich hinterher die Tasse Tee trank nicht ganz gut bei der Hitze

Ihr Part war eigentlich länger, aber bei diesem Teil griff der Dozent ein mit den Worten „An dieser Stelle brechen wir das Experiment ab„, da Sophie vor implodierendem Lachen nicht weiter lesen konnte.
Jeder kennt bestimmt diese absurde Situation aus der Schule, der Uni oder sonstigen unpassenden Orten, wenn man plötzlich anfangen muss, zu lachen (manchmal auch ohne Grund), und es einem einfach ALLES abfordert, aufzuhören. Tja, so war das.
Dass ich das jetzt erzähle, hat folgenden Grund: Bei Catotalk schwebt mir eine Art Kolumne vor, die kein festes Thema und kein ausgearbeitetes Konzept braucht. Einfach verschriftlichten Gedanken zu irgendwelchen Themen, die mir relevant erscheinen. Und keine Sorge, ich werde weder der Ulysses-Thematik folgen, noch auf Satzzeichen verzichten! 😀

Ach, a propos verzichten: leider ist in den PC, mit dem ich immer Fotos bearbeite, der Geist der Weihnacht gefahren. Komplett abgeraucht. 🙁 Deswegen muss ich momentan die Beiträge mit Leihgaben oder Smartphone-Fotos füllen – tut mir sehr leid!

Der oben erwähnte Ulysses ist übrigens ein super Thema, um sich als Literaturexperte zu profilieren. Dafür muss man es nicht unbedingt gelesen haben. An dieser Stelle empfehle ich ein vortreffliches Buch mit dem Titel

Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“ 

Jeder, der eine kluge und zugleich fordernde Verwandtschaft oder konversationell anspruchsvolle Chefs hat, sollte sich dies vor der Weihnachtsfeier zu Gemüte führen. 😀

Die Weihnachtsfeier… Wenn man sich, wie aus der oberen Etage angekündigt, ganz zwanglos auf dem dekorierten Flur zusammen einfindet, um sich fernab der Büro-Thematik ein bisschen auszutauschen. 
In der Linguistik bedeutet „fernab der Büro-Thematik“, dass die Semantiker auch mal über Syntax reden, und die Mediävisten auch mal über….nein, stop, streich das letzte. 😀 Eingeläutet wird die Weihnachtsfeier mit einer geistreichen Rede eines emeritierten Professors, die zahlreiche lateinische und altfranzösische Einflechtungen enthält (bei denen ich -immer eine Sekunde zu spät- in das herzliche Gelächter einstimme). Ringsum stehen die Kollegen mit säuerlichen Gesichtern (ob des Neides aufgrund mangelnden eigenen Geistreichtums, oder weil man nun endlich ein Würstchen im Schlafrock möchte – ich weiß es nicht).
Dann drängen sich die Tweed-Jackets, Turbo-Dutts und Samtröcke ums Kuchenbuffet (ich zähle zu der Randgruppe der Samtröcke), um beschämt vor dem aus Lebkuchen nachgebauten Aachener Dom der Kollegin XY zu erstarren. Das ist der Moment, in dem ich versuche, unauffällig meine gekauften Kekse verschwinden zu lassen.



Ich habe zwei Weihnachtsfeier-Lieblingssmomente:

Nummer eins:

Ich unterhalte mich mit einem der Chefs; er sagt etwas zu mir, das ich akustisch leider nicht verstehe, ich will aber auch nicht nachfragen, also lache ich einfach kurz (leider unbeabsichtigt viel zu laut, außerdem klingt es irgendwie verzweifelt) in der Hoffnung, dies sei eine adäquate Reaktion auf seine Äußerung. Sein verstörter Blick verrät mir, dass das wohl nicht der Fall ist.

Nummer zwei:

(und hierbei handelt es sich um ein Phänomen, das ich genau so schon sehr oft erlebt habe) ich unterhalte mich mit einer Kollegin über unwichtige Dinge. Keiner beachtet uns. Gerade, als ich etwas sage, das a) aus dem Zusammenhang gerissen völlig unpassend klingt (wahlweise vollkommen vulgär, rassistisch oder einfach nur sonderbar) oder b) ich gerade den Namen eines der Anwesenden erwähne und im gleichen Satz (aber unabhängig davon!) noch das Wort „doof“ enthalten ist, ja, GENAU DANN haben plötzlich alle Anwesenden gerade ihre Unterhaltung unterbrochen und meine Stimme mit der unpassenden Kunde -die Lautstärke noch an den vorangehenden Geräuschpegel angepasst- tönt durch den Flur. 😀 tot.

Ich habe kein Geheimrezept, wie man Weihnachtsfeiern glanzvoll übersteht. Vermutlich liegt das daran, dass ich eine Methode finden müsste, kein Wort zu sagen (um sicher zu gehen), und gleichzeitig sehr eloquent und kompetent zu wirken
Falls ihr Insidertipps zum Thema Weihnachtsfeiern habt, schreibt sie gerne in die Kommentare! 
Ich wünsche euch und mir selbst viel Glück und Spaß. 😀 So, und zum krönenden Abschluss ein Linguisten-Meme, das für jede Party der Welt zutrifft, außer für die Linguisten-Weihnachtsfeier 😀

weihnachtsfeier catotalk

via pinterest :3

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