Fallout 4 – der Seelenspalter 

In den letzten Wochen hat ein Spiel die Meinungen auseinandergehen lassen wie einen Hefeteig: Fallout 4. Wieso ausgerechnet Fallout 4 und wieso fallen die Meinungen so unterschiedlich aus?

Fallout 4 ist ein Paradebeispiel für ein Spiel, das so ziemlich alle Facetten des Community Feedbacks über sich ergehen lassen musste und noch muss. Von Lobeshymnen bis hin zu vernichtender Kritik findet man alles erdenkliche in den Kommentaren diverser Pages. (ich hatte überlegt, einige mit einzubeziehen, habe aber beschlossen, euch das zu ersparen :D)

Eines haben die meisten dieser Kommentare allerdings gemeinsam: Sie beinhalten keine sinnvolle Kritik.

Haters gonna hate

Ein Spiel zu bewerten ist sicher keine einfache Angelegenheit.
Ich denke, der wichtigste und zugleich schwierigste Punkt ist der, zu erkennen, was das Spiel eigentlich sein will,  und folglich zu bewerten, inwiefern es sein Ziel erreicht hat oder eben nicht.
Im Mittelpunkt der Kritik steht fast immer die (möglichst fotorealistische) Grafik, dicht gefolgt von der Logik innerhalb der Welt und der Story.

The Order 1886 beispielsweise bekommt für Story- und Leveldesign-Linearität Abzüge in so gut wie allen Wertungen.
The Witcher 3 wird trotz einiger deutlicher Mängel überall nahezu ohne Einschränkungen für seine Story gelobt.
Strategiespiele bekommen für vermeintlich polygonarme Modelle Abzüge.
Die Grafik von Open World Titeln wird, einhergehend mit der endlosen Grafikdebatte, mit der von linearen Titeln verglichen.
Fantasy Geschichten werden als unrealistisch bezeichnet.

Ich könnte diese Liste vermutlich ewig fortsetzen… MANNO!

Wahre Schönheit kommt von innen

Zum Glück gibt es für Schönheit kein Rezept. Auch wenn immer wieder versucht wird, Schönheit messbar zu machen, so kann das Ergebnis dieser Messung nur als eine Form von Richtwert begriffen werden, den jeder Mensch mit seinem freien Willen beurteilen kann.

Zurück zu Fallout 4

Fallout 4 hat unscharfe Texturen und ist allgemein ein Spiel, das nicht auf Hochglanz poliert wurde und es setzt sicherlich keine neuen Grafikstandards, schon gar nicht bei den Animationen. Das sind Aspekte, die ich genau so sehe und auch wahrnehme. Und doch übt die Welt von Fallout 4 einen enormen Sog auf mich aus – warum?

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schöner Schrott – die Welt von Fallout 4

Vielleicht liegt es daran, dass ich mit Games aus der Zeit von Link’s Awakening groß geworden bin und gelernt habe, dass 10 Pixel reichen, um eine Welt zu erschaffen, in der ich mich gerne aufhalte! 😀 Dass Spiele immer noch Spiele sind und es nicht um Perfektion in allen Bereichen geht.
Ich bin gerade über einen 10 Meter Abgrund gesprungen – wie unrealistisch! Mal ehrlich – wie viel Spaß würde ein wirklich realistisches Jump & Run Spiel machen? Anders formuliert, Realismus kann mega uncool sein, wenn er total unnötig ist!

Spielspaß ist nicht hübsch

Letztlich geht es doch um den Spielspaß! Star Wars Battlefront zum Beispiel. Sieht absolut fantastisch aus, macht aber leider nach ein paar Stunden keinen Spaß mehr. Was bringt mir das schönste Spiel, wenn es mich nicht motiviert, fordert, überrascht, oder sonst irgendwie berührt? Spiele sind also irgendwie wie Menschen – Leute, die nichts weiter als ihr Äußeres zu bieten haben, sind ja auch irgendwie langweilig.

Ich will ‚runde‘ Spiele mit Herz, die optisch etwas schönes zu bieten haben (was nicht unbedingt gleichzustellen ist mit Fotorealismus) und in der Lage sind, mich auch nach ein paar Spielstunden noch zu überraschen. 

Genau das ist es, was Fallout 4 gelingt! Es ist auf den ersten Blick (insbesondere in der Vault 101) ein nicht gerade schönes Spiel, doch wer sich darauf einlässt und sich länger damit beschäftigt, erkennt die Schönheit auf den zweiten Blick und verliebt sich in ein Spiel mit Tiefgang, einer interessanten Persönlichkeit und tausend Facetten,  die grafisch hochentwickelte Spiele nicht zwangsläufig zu bieten haben.

Zu meiner unmaßgeblichen Meinung

Wer meine Gaming-Reviews gelesen hat, der weiß, dass sie in gewisser Weise sehr subjektiv sind, alleine schon, weil ich als Gamer meine eigenen Vorlieben, Erfahrungen und Fähigkeiten habe, und gemäß derer die Spiele bewerte. Ich versuche aber dennoch immer zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiven Fakten zu unterscheiden. Die meisten hier angesprochenen Aspekte sind von dieser problematischen Differenzierung betroffen. Subjektivität ist also meiner Meinung das eigentliche Problem und nicht vermeintlich schlechte Spiele (auch wenn es von denen mehr als genug gibt).

 

Ein Schlusswort zum Thema Grafik und Fotorealismus:

Leute, spielt Hotline Miami!

So wunderbar wurden 10 Pixel noch nie angeordnet. 😀

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Wer Stress abbauen (oder aufbauen) oder einfach nur brillante Musik hören will – schaut rein!!

ps: Auf dem Beitragsbild seht ihr übrigens ein Plakat aus der Fallout 4 – Welt. Sinnzusammenhang mit dem Artikel fehlt weitestgehend, aber…eine Katze als Astronaut! 😀 <3

 

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