Deus Ex: Cato verspätet

Ihr wisst ja (oder vielleicht auch nicht), dass ich gerne über Spiele und Gaming an sich schreibe, aber nicht den Anspruch habe, das ganze irgendwie brandaktuell und newsmäßig zu tun. Ich hab weder eine verlässliche Zeitplanung, noch einen verlässlichen Geldbeutelinhalt – es ist mir also einfach nicht möglich, jedes Spiel sofort zu kaufen und dann erst mal 30 Stunden am Stück frenetisch eine Analyseparty zu feiern. Ich hol mir Spiele, wenn’s grade passt und daddel die dann gemütlich durch, und das ganze meistens auch noch ohne den analytischen Darüber-werde-ich-auf-dem-Blog-berichten-Blick. 😀

Daher gibt’s heute, gefühlt drei oktrilliarden Jahre nach Release, ein paar Worte zu Deus Ex: Mankind Divided!

 

Der verbesserte Mensch

Science Fiction? Dystopie? Ich bin dabei! Das Setting der Deus Ex Spielereihe hat mich immer schon angesprochen. Ich kann mich einfach immer für solche Szenarien und deren Atmosphäre begeistern. Genau darin lag für mich auch die große Stärke dieses Spiels, das als eine Mischung aus Shooter mit Deckungsmechaniken, Schleichpassagen und Rollenspiel samt Dialogsystem mit Wahlmöglichkeiten daherkommt. Darin und in der spielerischen Freiheit, die ich in den großartigen Leveln genießen durfte. Aber beginnen wir von vorne.

Adam Jensen, Hauptfigur in Deus Ex, ist ein ehemaliger Soldat, der im ersten Teil der Neuauflage der Serie als Sicherheitschef für Sarif Industries, einem Vorreiterkonzern im Bereich mechanischer Prothesen zur Verbesserungen körperlicher Fähigkeiten – sogenannte Augmentierungen -, arbeitet. Bei einem Anschlag auf selbigen Konzern entkommt er in Teil Eins nur knapp dem Tod.
Jensen bekommt einige lebensrettende Eingriffe verpasst und erwacht als unfreiwillig augmentierter Supersoldat mit einigen hilfreichen Fähigkeiten. Bei dem selben Anschlag stirbt übrigens Jensens Lebensgefährtin. So beginnt eine gelungene Mischung aus persönlichem Rachefeldzug und der Aufdeckung einer globalen Verschwörung mit einem tollen Twist. Natürlich ist das ganze etwas komplexer, aber es geht ja auch um Teil zwei und nicht Teil eins! Dennoch – wem etwas betagtes Gameplay und Grafik nichts ausmachen, der sollte sich definitiv den ersten Teil anschauen, bevor er mit dem zweiten loslegt.

Deus Ex: Mankind Divided hilft euch jedenfalls mit einem ausführlichen Video dabei, die Ereignisse des ersten Teils Revue passieren zu lassen. Um alle Charaktere und Zusammenhänge langfristig zu verstehen und deren Wiederkehr in Teil zwei zuordnen zu können, muss man sich das Ganze schon ein paar Mal anschauen! Ich zumindest. 😀

Die Welt von Deus Ex hat ihren ganz eigenen, dystopischen Charme. Und Unmengen Kabelsalat. :3

Grundsätzlich ist die Komplexität der Geschehnisse allerdings positiv zu werten. Gerade in einem solchen Setting finde ich Geschichten oft zu flach oder zu übertrieben – da schafft Deus Ex einen gelungene Mischung aus komplexen Zusammenhängen, Querverweisen, Twists und Spannung, bei der man aber trotzdem gut am Ball bleiben kann, wenn man sich darauf einlässt.

Teil Zwei greift also einige Geschehnisse des ersten Teils auf und schickt uns in das unter Augmentierten-Apartheid leidende Prag, wo wir im Auftrag einer Spezialeinheit eine Pro-Augmentierte Terrorvereinigung dingfest machen sollen. Ohne zu viel zu verraten sei gesagt, dass die Geschichte recht gut gelungen ist und unterhält, aber genau dann endet wenn es so richtig spannend wird.
….
GENAU dann. EXTREM abrupt.
Aber gut.

Schöne neue Welt

Deus Ex: Mankind Divided und seine Welt sprühen nur so vor Atmosphäre und das Prag der nahen Zukunft ist wirklich toll geworden. Die Stadt und ihre Bezirke wirken glaubwürdig und sind stimmig gestaltet. Figuren unterhalten sich über diverse Ereignisse der Spielwelt, die Apartheid ist überall präsent und hat mir persönlich, durch den starken Aktualitätsbezug, teilweise ein ziemlich beklemmendes Gefühl vermittelt. Elemente wie Hass-Graffitis an den Wänden oder Parkbänke und Läden mit Verbotsschildern gegen Augmentierte sind in diesem Prag überall zu finden. Als Augmentierter bewege ich mich in dieser Welt mit einem extrem unguten Gefühl.

Sie zeigt gerade ihre Frei-Rumlaufen-Lizenz. Oder die Visitenkarte von ihrem Frisör. [ingame graphics]

Genauso wichtig wie das Gefühl. in einer kohärenten Welt unterwegs zu sein, ist natürlich auch das Leveldesign und sein Zusammenspiel mit dem eigentlichen Gameplay.
Während Teil Eins noch einen klaren Fokus auf den Stealth Anteil gelegt hat, lässt uns Teil Zwei völlig freie Hand und belohnt jede Spielweise sowohl mit gleich viel Erfahrungspunkten, als auch mit entsprechenden Fähigkeiten, die dem Spielstil dienen. Ob ihr nun alles und jeden Tötet, in Dialogen über das Ableben verhandelt oder jeden betäubt und in einer Mülltonne verwahrt (was ja quasi auch sterben ist 😀 ), das Spiel bietet für jeden Spielstil gleichwertige Optionen und Belohnungen, was es von anderen Genrevertretern sehr positiv abhebt.

Die KI trägt gelbes Netz zu Jeans- schlicht, und doch elegant. [ingame graphics]

Mir persönlich hat es super gefallen, dass ich mich auch richtig wehren konnte, wenn das mit dem Schleichen mal nicht so gut geklappt hat oder ich bei einer gescheiterten Unterhaltung Bleikugeln als Argument vorweisen konnte. (so bin ich. Ich dulde keine Gegenmeinung.)
Wie bereits angesprochen spiegelt sich diese Vielfalt im wirklich großartigen Leveldesign wieder. Für jeden Spielstil gibt es auch mindestens einen tatsächlich sinnvollen Weg, ans Ziel zu kommen. Wenn wir schleichen wollen, wird es garantiert einen versteckten Luftschacht geben und wer ballern möchte, kann das grundsätzlich tun, aber auch Fallen aktivieren oder Geschütztürme gegen den Gegner richten und vieles mehr. Hierbei kommen Jensens Hackingfähigkeiten zum Einsatz, welche durch ein Minispiel simuliert werden, das immer mal daneben gehen kann, wodurch in der Regel ein Alarm ausgelöst wird. Aber auch dann bedeutet das nicht, dass ihr sofort losballern MÜSST. Erst wenn die KI Herrschaften euch wirklich entdeckt haben, geht’s ab. Bis dahin könnt ihr immer noch eure diversen Fähigkeiten einsetzen und das beste aus der Situation machen. Klingt logisch, aber es gibt genug Genrevertreter, in denen die KI dann automatisch weiß, wo ihr seid und sofort zu euch gerannt kommt, obwohl ihr euch längst in ein neues Versteck verzogen habt. Im Fall von Deus Ex: Mankind Divided jedoch ist es genau diese gelungene Dynamik zwischen den Spielstilen die einfach Spaß macht, fordert und den Spieler nicht zwingt, sich für einen bestimmten Stil zu entscheiden.

Mit Jensen durch dick und dünn (oh Mann, für diese Headline sollte man mir auf den Kopf hauen)

Manchmal hab ich mir etwas mehr Abwechslung bei den Locations gewünscht, da einige Gebiete im Spiel immer wieder besucht werden. Andererseits hilft diese Tatsache dabei, den Ortsbezug zu stärken und die Kenntnis der Locations als Planungsvorteil für Missionen zu nutzen oder mit neuen Fähigkeiten neue geheime Wege zu finden.
Ein weiterer lobenswerter Aspekt des Spiels, sind die gelungenen Nebenaufgaben. Es gibt keine nervigen Sammelaufgaben, die man nur runterrattert, um sich den nächsten Ledermantel kaufen zu können. Die Nebenmissionen fügen sich gelungen in das Setting und die Hauptgeschichte ein. Eines der wenigen Spiele, in denen ich die Nebenaufgaben also wirklich alle gespielt habe, um deren Story nicht zu verpassen.
Darüber hinaus verlaufen die Neben- und Hauptaufgaben nicht immer linear und von Anfang an offensichtlich. Manchmal beginnt es mit einem klaren Ziel, das sich plötzlich als etwas anderes entpuppt als gedacht und über ein neues Zwischenziel zunächst einmal erreichbar gemacht werden muss. Dabei kann sich ein Handlungsstrang auch mal angenehm über 1-2 Stunden Spielzeit erstrecken. Auch das stärkt das Gefühl der kohärenten Spielwelt und kaschiert gelungen die typischen 0815 Spielabläufe wie „Quest annehmen, Punkt a erreichen, Ziel B erreichen zurück zum Questgeber“ usw.
Jensen und die wichtigsten Figuren in Deus Ex: Mankind Divided würde ich von Ihrer Charakterzeichnung und Entwicklung als durchschnittlich geschriebene Rollen bezeichnen. Schade, da viel durch die Welt aufgebautes Potential verloren geht. Hier hat Teil Eins klar die Nase vorn.

Adam Jensen, wie er an einem Sonntagmorgen oben ohne Kaffee trinkt. [ingame graphics]

Mit 10-12 Stunden Spielzeit, oder auch deutlich mehr je nach Spielertyp, bekommt ihr ein insgesamt gelungenes Spiel, das euch definitiv unterhalten und fordern wird. Mir sind bei Spielen immer besonders  eine gute, eingängige Geschichte und ein ebensolches Gameplay wichtig, und das habe ich bei Deus Ex: Mankind Divided bekommen. Wem das Setting gefällt, der sollte definitiv zugreifen! Außerdem könnt ihr euch dann auch umso mehr auf den dritten und vermutlich finalen Teil der Reihe freuen!

Habt ihr das Spiel vielleicht selbst schon gespielt oder habt noch Fragen? Lass es mich in den Kommentare wissen 🙂

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