Am 27. Oktober ist Halo 5 für die Xbox one erschienen – ein Halo, das sich in vielen Bereichen von Teil eins bis vier absetzt. Ich habe es schon gespielt und dabei sehr genau hingeschaut! Hier erfahrt ihr, was ich als nicht-schon-jahrelanger-Fan von Halo 5 halte.

Ich bin kein eingefleischter Halo-Fan seit Stunde Null. Obwohl das erste Halo schon vor 14 Jahren erschienen ist, habe ich von der Existenz der Serie erst vor einigen Monaten erfahren (hehe). Ich habe dann, kurz vor Release von Halo 5 die Masterchief-Collection* gespielt, die mir überraschenderweise sehr gut gefallen hat! Überraschend, weil Halo nicht die Art Spiel ist, die ich mag/gut kann. Jeder, der mich schon mal einen Ego-Shooter hat spielen sehen, weiß das. 😀 In brenzligen Situationen neige ich dazu, mit der Waffe zu fuchteln, 20 Minuten tatenlos hinter einer Deckung zu verharren (das Leben ist kostbar!) oder wahlweise größenwahnsinnig mitten ins Getümmel zu rennen. Zudem mag ich es nicht, Figuren zu spielen, die komplett gepanzert sind. 😀 (Spleen-Alarm!)

Aber Halo hat mir trotzdem gefallen. Diese SciFi-Spielwelt auf dem Halo-Ring, auf Raumschiffen und fremden Planeten, die Bekämpfung der seuchenhaften Flood mit coolen Waffen (der Hammer ist mein Favorit 😀 ) und die tollen Fahrzeuglevel, dazu der epische Soundtrack – das hat einfach Spaß gemacht! Ich bin zwischendurch oft einfach mal stehen geblieben und habe die Aussicht genossen. :3 Zudem ließ es die tolle Steuerung zu, dass sogar ich mal jemanden getroffen habe. 😀 Aber im Splitscreen-Koop merkt es ja eh keiner, wenn man eigentlich nur planlos rumrennt.

Was habe ich mir nun von Halo 5 erwartet?

Halo 4 war mein Favorit, also zumindest mal erwartete ich ein Halo, das ebenso gut ist. Dass es keinen lokalen Multiplayer mehr gibt, hat mich etwas unter Leistungsdruck gesetzt. 😀 Gewünscht hätte ich ihn mir, außerdem eine Story, die so zugänglich inszeniert ist, wie bei Halo 4 (die Halo-Stories 1-3 sind für mich eher problematisch gewesen, ein bisschen so wie Star Wars als Kind zu schauen – alles ist cool, aber verstanden hab ich nix), die gewohnten Panoramen mit Halo-Ringen, Nebelbergen, Schluchten oder abstürzenden Raumschiffen, Fahrzeugpassagen am Boden und in der Luft …. eben das „SandboxHalo-Gefühl„, wie ich es kennen gelernt habe, verbunden mit einem technischen Generationssprung auf die Xbox one.

 

Die Story & Inszenierung

Die Story fällt wie von Halo gewohnt eher mittelmäßig aus, bietet aber wenigstens, wie bereits in Halo 4, eine einigermaßen nachvollziehbare Erzählstruktur. Das Ende, das ich nach knapp 8 Stunden bereits erreicht hatte, kann hierbei höchstens mit ‚ausreichend‘ bewertet werden. Es fehlt der gewohnte große Kracher am Schluss, aber naja, zumindest bekam ich einen halbwegs vernünftigen Cliffhanger.

Man spielt abwechselnd den Master Chief und ein Mitglied des neuen Team Osiris. Die neuen Charaktere sind sympatisch und gliedern sich gut in die Story und das Universum ein.

Cut scenes halo 5 review

Die Cut Scenes sehen super aus!

Aber: ich spiele Halo nicht wegen der Story, sondern wegen der einzigartigen Atmosphäre des Halo Universums, welche – für mich – vor allem durch das großartige Artdesign und die Bestandteile der Welten im Zusammenhang als großes Ganzes gut funktioniert (auch ohne Story – die Spartan Ops aus Halo 4 zeigen: Missionsziele reichen hier völlig, um Spaß zu haben 🙂 ).
Die eher maue Geschichte fungiert hier wie prinzipiell in allen Halo-Teilen als vertretbares Beiwerk, welches uns zusätzlich zum Weiterspielen animiert. Wirklich in die Geschichte vertieft war ich zu keinem Zeitpunkt meiner Halo Spielerfahrung.

Die Inszenierung von Halo 5 hinkt, meiner Meinung nach, der von Halo 4 hinterher. Zwar bietet Halo 5 mit seinen Schauplätzen mehr Abwechslung, diese sind aber (bis auf wenige Ausnahmen) deutlich weniger opulent und stimmig designt als in Halo 4.

halo 5 review

Eine der stärkeren Passagen aus Halo 5 …

Halo 4 halo 5 review

… vs. der gewohnte Ausblick bei Halo 4.

Der Gesamteindruck, den der neueste Teil durch seine grafischen und designerischen Schwächen hinterlässt, zeugt davon, dass das Spiel in meinen Augen nicht ganz an den Gesamteindruck seines Vorgängers herankommt, was insbesondere wegen des Hardware-Sprungs von Last-Gen auf Current-Gen leider gegen meine Erwartungen war. Dennoch kann Halo 5, insbesondere wenn man es für sich alleine stehend betrachtet, einige wunderschöne Landschaften und imposante Anblicke bieten, die man so bei weitem nicht in jedem Spiel geboten bekommt!

 

Die Grafik

Halo 5 ist ein schönes Spiel. Halo 5 ist nicht zeitgemäß. Halo 5 hat grafische Mängel und technische Defizite.
Diese drei Aussagen treffen alle auf Halo 5 zu. Wie aber kann das sein?
Also, Halo 5 ist in Sachen Technik und Grafik ein Auf und Ab sondergleichen.

Die Prämisse bei der Bewertung der Grafik von Halo 5 ist zuvorderst der Sprung auf Current Gen. Darüber hinaus liegt ein Vergleich zwischen Halo 5 und der Master Chief Collection nahe, der zeigt, dass Halo 5 an dieser Stelle deutlich zu wenig Fortschritte bietet, um daneben grafisch wirklich zu überzeugen. Ein gutes Beispiel, im direkten Vergleich, sind die durchaus ansehnlichen Lichteffekte und Explosionen des Halo 2 Remasters. Halo 5 greift hier fragwürdigerweise auf die Effekte aus Halo 4 zurück, welche mangels eines Remasters technisch veraltet wirken. Die Beleuchtung der Sets, die in Halo 4 sehr rund gewirkt hat, scheint in Halo 5 ebenfalls etwas rückläufig.

halo 5 review

oben die Beleuchtung von Halo 4, unten Halo 5.

Ich bin keine Grafikfetischistin, für die alles fotorealistisch aussehen muss. Im Gegenteil, ich schätze grundsätzlich tolles Artdesign und einen stimmigen Gesamteindruck ebenso wie Fotorealismus. Dennoch erwarte ich von einem Spiel diesen Kalibers, dass bestimmte Aspekte der Technik stimmen und eine deutliche Entwicklung von Last- zu Current-Gen stattgefunden hat. Das ist bei Halo 5 leider nur sehr bedingt der Fall gewesen.

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Hier seht ihr zwei sehr unterschiedliche Eindrücke der Lichteffekte aus Halo 5.

Halo 5 hat 60 FPS –  ein Standard, an den sich die meisten seit der Master Chief Collection wohl gewöhnt haben. Um diesen Standard zu halten, wurden allerdings offensichtlich einige Kompromisse eingegangen, die man hätte anders lösen müssen.

Level of Detail Popups nur ein paar Meter vor meiner Nase und das bei großen Elementen, meistens innerhalb von geschlossenen Räumen noch an der gegenüberliegenden Wand, dann Texturen, die aus der Ferne matschig wirken, teils fehlende Schatten – das sind technische Probleme, die leider nicht zu übersehen sind.

Halo5 textures Texturen review

Ein paar fiese Matsch-Texturen aus Halo 5

Umso seltsamer ist es, dass Halo 5 diese Probleme nicht über das ganze Spiel hinaus aufweist (die Popups leider ausgenommen). Insbesondere in der zweiten Hälfte des Spiels habe ich dauernd gedacht „Warum nicht gleich so?“, da hier sowohl die zuvor flache Beleuchtung als auch das mittelmäßige Leveldesign plötzlich in nahezu allen Belangen Halo-gemäß überzeugen konnte. 

halo 5 review

Einer der Aha-Momente, der im Spiel sicher mehr wirkt, als auf einem Bild. Hier geht man vertikal an einem [Spoiler] herunter.

Halo 5 schafft den überzeugenden Sprung auf Current Gen einfach nicht; Halo 4 war hier besser designt und grafisch stimmiger, einfach ein insgesamt runderes Halo Erlebnis. Schade!

Der Sound

Ich habe im Vorfeld in mehreren Reviews gelesen, dass der Sound von Halo 5 neue Maßstäbe im Shootergenre setztDer Sound IST toll, eine neue Referenz für das Shooter Genre jedoch nicht. Ein Battlefront muss sich den Vergleich mit Halo 5 meiner Meinung nach noch nicht gefallen lassen.
Dennoch erfüllt der Sound eine sehr wichtige Rolle, die man so nur selten erlebt – der Sound versetzt einen direkt ins Spielgeschehen, was ich insbesondere nach einer Runde mit Kopfhörern gemerkt habe. Durch das räumliche Klangbild und eine tolle Abmischung entgehen einem auch die kleinsten Details wie der Kies unter den Reifen des Warthogs oder die Schüsse in der Ferne nicht. 

Der typische Soundtrack ist sehr gelungen. Über die bekannten Halo Klänge hinaus bietet das Spiel eine tolle musikalische Untermalung für die Geschehnisse auf dem Bildschirm und fängt dabei stets die richtige Stimmung ein. Weiter so, 343! ♥

Das Gameplay

Der Master Chief und Team Osiris steuern sich so gut wie gewohnt, wenn nicht besser.
Die Steuerung reagiert präzise und fühlt sich sehr direkt an. Einzig die neuen Fähigkeiten sind zu Beginn etwas fummelig aber nach einigen Versuche, genau so eingängig wie der Rest der Steuerung. 

Das Leveldesign unterstützt das neue vertikalere Gameplay sehr gekonnt. Oft bieten sich zahlreiche Angriffsmöglichkeiten, von unten wie von oben. Definitiv eine gelungene Neuerung für die Halo Serie! Aber wo war mein geliebter Jetpack? 🙁 Vertikalität ohne Jetpack, das ist doch eigentlich wie Master Chief ohne Helm.

Die Fahrzeugpassagen sind in Halo 5 leider auch etwas kürzer und unspektakulärer, als in vergangenen Teilen. Darüber hinaus ist Halo 5 das erste Halo ohne die typische Schluss-Fahrzeug-Flucht-vor-der-Explosions-Mission. Insbesondere nach der großartigen Flugmission gegen Ende von Halo 4 eine Enttäuschung. 🙁

Ein im Netz umstrittenes Thema, ist das respawn-System in der Kampagne von Halo 5. Geht man K.O.,  kann man während des 30 sekündigen Countdowns ein Teammitglied zur Hilfe rufen, um reanimiert zu werden, bevor man endgültig ausgeht und das Level ab dem Speicherpunkt neustartet. In manchen Reviews wurde diese Vorgehensweise kritisiert, weil – wenn man Halo nicht im Koop spielt – die KI-Teammitglieder die Wiederbelebung nicht gereiht bekommen und man somit seine wertvolle Zeit damit verbringt, zuzuschauen, wie unsere virtuellen Freunde bei ihrer einzigen wichtigen Aufgabe versagen 😀. Das entspricht nicht meiner Erfahrung (und ich bin oft gestorben!). Kaum war ich am Boden, kam einer meiner KI-Freunde angerannt und hat einen Wiederbelebungsversuch gestartet – klar, wenn man gerade von Gegner umringt ist, ist es ja nur logisch, dass diese Versuche von ihnen unterbrochen werden und ja, sie sind nicht die Schlauesten (sie rennen an Gegnern vorbei, ohne eventuell einen direkt neben uns stehenden noch zu beseitigen, um die Chance auf eine Reanimation zumindest auf 2% zu steigern :D) Das führte allerdings eher zu dem einen oder anderen witzigen facepalm-Moment, als das es mich wirklich geärgert hätte.  Man kann auf jeden Fall immer gespannt sein, was die KI wohl als nächstes versucht, um mich vor dem endgültigen Aus und somit dem letzten Checkpoint zu bewahren. 😀

Eine weitere Schwäche von Halo 5 ist die eindeutige Auslegung der Kampagne auf den Coop. Das klingt für alle Coop-Freunde (und ich bin selber einer) zunächst widersprüchlich, ist aber ein weiterer wichtiger Kritikpunkt, da der lokale Multiplayer in Halo 5 komplett fehlt und somit natürlich auch der Splitscreen Coop für die Kampagne (den ich geliebt habe!).
Halo 5 erzeugt durch seine Coop-Ausrichtung folgende grundlegende und unnötig frustrierende Problematik: einige der Gegner und sogar Bosse (teilweise 3-4 davon gleichzeitig)  haben, wie man es von den meisten Halo Gegnern gewohnt ist, einen Schwachpunkt, der so liegt, dass man ihn ohne einen intelligenten Mitspieler kaum treffen kann. Die KI Kollegen können da leider nur geringfügig Abhilfe leisten, da sie nur selten den Gegner ablenken oder alternativ, seinen Schwachpunkt, trotz Angriffsbefehl, treffen. Letztendlich erzeugt Halo 5 dadurch einige unnötige Frustmomente für alle Einzelspieler. Forever alone und dann auch noch forever frustrated  👿 
Die gute Nachricht: Die Checkpoints sind fair gesetzt und das Spiel speichert auch während Bosskämpfen.

 

Fazit

Halo 5 macht Spaß, ist aber bei weitem nicht perfekt und auch leider nicht das exklusive Flaggschiff-Spiel, das ich mir nach Halo 4 auf der Xbox One gewünscht hätte. Eine etwas längere Spielzeit, eine bessere technische Umsetzung sowie eine Prise mehr Halo Bombast in der ersten Hälfte des Spiels hätten Halo 5 sicherlich zu einer wesentlich höheren Wertung verholfen.

Bewertung

  • Grafik                   7/10
  • Gameplay            8/10
  • Story                     5/10
  • Spielspaß            8/10

 Gesamtwertung 28/40

Nicht das beste Halo ever. Wer sich selbst ein Bild machen will –  hier ist der Amazon-Link:

Halo 5 (nicht die limited edition, denn es ist wirklich nicht nötig, dafür 90 Euro auszugeben)*

Halo-Einsteigern würde ich folgendes raten: Spielt Halo. Auch wenn ihr keine Egoshooter-Personen seid. Aber legt erstmal mit der Master Chief Collection los (und staubt Halo 5 später im Sale ab)! Im Splitscreen werdet ihr sicher sehr viel Spaß haben. 🙂

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